Geständnisse einer Bibliophilen

Ich lese, unheimlich viel. Wenn jemand aus meinem Freundeskreis eine Leseratte betiteln soll, dann werde ich in aller Regel genannt, auch wenn ich das Wort Bibliophil bevorzuge, seit ich vor einigen Jahren – wie sollte es anders sein – in einem Buch darauf gestoßen bin. Ich lese immer mehrere Bücher unterschiedlichen Genres parallel und schlafe meist neben meinen drei aktuellen Büchern ein. Ich könnte niemals ohne ein Buch Zug fahren, geschweige denn Vereisen. Einige Bücher habe ich schon über hundert Mal gelesen und auch wenn es übertrieben klingt, so ist es doch die Wahrheit. Es gibt Bücher, die lese ich konsequent, das heißt, wenn ich einmal am Ende angelangt bin, lese ich es wieder von vorne. Nur Bücher bringen mich dazu ruhig einschlafen zu können.Geständnisse einer Bibliophilen | Hey Soulsisters! Kann ich vor dem Schlafengehen einmal nicht noch wenigstens zwei oder drei Seiten lesen, wälze ich mich unruhig hin und her und habe ein lautes Gedankenknäuel in meinem Kopf. Ich liebe es, wie sich Bücher anfühlen, wie die schwarzen Buchstaben in ihrem gleichmäßigem, geraden Auf und Ab über die Seiten fließen und wie die Qs so ulkig aus der Reihe tanzen  – ich liebe Qs und Seiten, auf denen besonders viele stehen. Ich liebe den Duft von Büchern, gerade von ganz Alten. Die Verbindung von Papier und dem Leim der die Seiten am Einband zusammen hält. Jedes Buch, das ich in die Hand nehme schlage ich an einer beliebigen Stelle in der Mitte auf und halte meine Nase ganz dicht an das Papier, damit ich den ganz speziellen Duft diesen einen Buches aufsaugen kann. Ich liebe es Bücher zu besitzen und bin traurig, wenn ich sie nur ausgeliehen habe, weil sich immer ein Stück meines Lebens in dessen Seiten verliert und ich beim erneuten Aufschlagen wieder an die Stelle versetzt werde, an der ich es zuletzt zugeschlagen habe. Bücher versetzen mich in eine andere Welt und ich lerne ganz fantastische Orte und Menschen kennen und lieben und ich bin unendlich traurig, wenn eine Geschichte vorbei ist und sie mich zurück in die Realität wirft. Ich kann die Menschen in den Geschichten genauso detailliert beschreiben, wie echte Menschen, rieche die Orte, zu denen mich die Bücher führen und kann so sehr in Büchern versinken, dass ich nichts anderes mehr um mich herum wahrnehme und das will für eine hochsensible Person schon etwas heißen. Ich kann stundenlang über Bücher reden, über die eigene Logik in den unterschiedlichen Universen diskutieren und mich über bestimmte Handlungsstränge aufregen. Ich konstruiere nie bewusst die beschriebenen Menschen oder die Umwelt und kann nicht wirklich selbst bestimmen, wie etwas aussieht, alles ist ganz klar vor meinem inneren Auge vorhanden, als sei es schon immer dort gewesen und ich habe eben erst die Tür zu diesem Ort aufgestoßen. Ich schwärme für Bücher und kann mich stundenlang in Büchereien aufhalten, dann nehme ich dieses und jenes Buch zur Hand, fliege von einem Klappentext zum nächsten, lese die erste Seite an und füge in Gedanken meiner schier endlosen Wunschliste noch ein und noch ein Buch hinzu. Dabei bin ich durchaus wählerisch mit meiner Lektüre, aber nicht eingeschlossen auf ein Genre. Ich habe eine wirklich lebhafte Fantasie und weiß, dass mir Krimis und Thriller einfach nicht bekommen. Ich muss sie, wenn sie wirklich spannend sind, in einer Nacht verschlingen und habe dann solches Herzklopfen, dass ich extrem unruhig einschlafe und böse Albträume bekomme, weswegen ich mich weitestgehend von allzu blutrünstiger Lektüre fern und mich an spannende Gesellschafts-und Beziehungsromane halte. Aber ich lese auch zwischendurch die unterschiedlichsten Sachbücher, Biographien und Monographien. Liebe es von Fantasybüchern in eine ganz andere Welt getragen zu werden und freue mich darüber in historischen Romanen Einblicke in vergangene Epochen erhaschen zu können.
Nichts ist für eine Bibliophile wie mich befriedigender als Mythenmetzsche Ausschweifungen, nichts freut mich mehr, als der Gedanke, dass Darcy und Elizabeth am Ende doch zueinander finden. Keine andere Welt zieht mich so sehr in den Bann wie Hogwarts, keine Dystopie erschüttert mich mehr als die von Panem. Immer wieder kann ich mich mit Elizabeth Gilbert auf den Weg nach Italien, Indien und Indonesien machen und jedes Mal finde auch ich ein wenig mehr zu mir selbst und verliebe mich aus der Ferne in die schönen Länder. Ich stürze mich seit über zehn Jahren mit Jolly und Munk in Seeschlachten, lese immer wieder die fein umschriebenden Kurzgeschichten von Alice Munro und werde nicht müde die viel zu romantischen Romane von Nora Roberts zu lesen, die aber immer ein Happy End haben, was ich manchmal genauso sehr brauche, wie warmen Schokoladenkuchen. Meine Bücher bringen mich zum Weinen, zum Lachen und zum Glauben. Sie schaffen es, mich aus tiefsten Krisen und den schlimmsten Weinkrämpfen heraus zu holen, sie nehmen wohlwollend alles auf und schenken mir berauschende Welten, echte Held*innen, inspirierende Menschen und ganz viele Weisheiten für die reale Welt.

Geständnisse einer Bibliophilen | Hey Soulsisters!
Sehr häufig, wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, kommen wir irgendwann auf das Thema Bücher zu sprechen – naheliegend vor allem, wenn ich ein Buch dabei habe, was wirklich oft der Fall ist. Dann kommt es vor, dass mein Gegenüber zugibt, überhaupt nicht gerne zu lesen, einige haben sogar schon betont, dass sie noch nie in ihrem Leben ein ganzen Buch gelesen hätten, Bücher hassen und das Lesen, was über einen Onlineartikel hinaus geht, so gut es geht meiden. Ich bin selten dabei, Menschen vorschnell zu bewerten oder zu verurteilen, aber in solchen Momenten muss ich mich zusammen reißen, um nicht entrüstet zu schnauben, aufzuspringen und mit dem Menschen nie wieder ein Wort zu wechseln. Das ist natürlich eine überspitzte Darstellung, aber wenn ihr diesen Beitrag bis hier hin gelesen habt, dann wird meine Liebe zum geschriebenen Wort mittlerweile aus eurem Bildschirm fließen und vielleicht könnt ihr fühlen, warum ich eine solche ablehnende Haltung einfach nicht nachvollziehen kann. Romane und Geschichten bringen uns dazu unsere eigene Fantasie mit einer anderen zu verschmelzen und sie dadurch zu vergrößern und mit Leben zu füllen, sie bringen uns Empathie und Einfühlungsvermögen bei, lassen uns die Erfahrungen von anderen erleben und bringen uns dazu unser eigenes Handeln zu reflektieren. Sie sind so viel mehr, als nur ein reiner Zeitvertreib und deswegen lautet mein letzter Appel an dieser Stelle an euch: Lest. Greift zum nächsten Buch, geht in eine Buchhandlung und steckt eure Nase zwischen die Seiten, atmet diesen wundervollen, einzigartigen Duft ein und erwartet freudig die tollen Abenteuer, die zwischen den Seiten und Buchstaben geduldig auf euch warten. Wenn ihr dazu Anregung braucht, dann gibt es hier meine fünf meistgelesenen Bücher:

  1. Eat pray love von Elizabeth Gilbert
  2. Harry Potter und der Stein der Weisen von J. K. Rowling (und natürlich alle folgenden Bücher, aber den ersten lese ich gerne mal an einem freien Nachmittag)
  3. Die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers
  4. Rosenzauber von Nora Roberts
  5. Zimmer mit Aussicht von E. M. Forster

 

 

Titelbild by Stanislav Kondratiev on Unsplash

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2 Comments

  • Ein wundervoller Beitrag. Ich bin in einem Buchhandel aufgewachsen und kann deine Worte absolut nachempfinden. Das Gefühl ein Buch aufzuschlagen, der Duft eines alten oder auch eines neuen Buches- einfach unbezahlbar!

    Ich lese hauptsächlich Thriller und Krimis, trotz meiner lebhaften Fantasie (manchmal muss dann eben das Licht an bleiben)

    Liebe Grüße,
    Larissa
    (https://salutmavie.de)

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