On the air. Aware.

In letzter Zeit fällt es mir immer schwerer mein Smartphone in die Hand zu nehmen und einen beliebigen Social Media Dienst zu öffnen – sei es Facebook, Instagram oder Snapchat. Ich bin nicht mehr mit Freude dabei und dieser Druck mein Leben Social Media konform auszurichten hat mich in den letzten Wochen wahnsinnig gemacht. Diese Mischung aus ständiger Präsenz, ewiger Happyness und stylischem Lifestyle hat bei mir so langsam seine Sättigung erreicht. Konnte ich vor ein paar Monaten noch mitmachen – vielleicht nicht schritt halten, aber hinterherhinken – stehe ich jetzt auf der Stelle und sehe nur noch die Staubwolke der anderen vor mir. Ich habe darauf keine Lust mehr.


Eigentlich sollte dieser Post eine kleine andere Betonung haben, aber da Masha heute einen so passenden Sonntagspost geschrieben hat, musste ich ihre Gedanken einfach aufgreifen. Ich war bei weiten nicht auf so vielen Events wie sie und bin auch längst nicht so bekannt, geschweige denn habe irgendwelche Fans, die sich wundern, warum ich nichts von mir hören lasse (und ich bin weiß Gott froh darüber), aber ich kann ihre Gedanken über die Oberflächlichkeit der Szene sehr gut nachvollziehen. Manchmal komme ich mir auch wie in einem riesigen Experiment vor und da ich das Ergebnis nur für mich selbst interpretieren kann, muss ich mir einfach eingestehen, dass dies nicht mehr meine Welt ist. Vielleicht habe ich mir eingeredet, dass ich da hinein passe, aber eigentlich musste ich mich doch immer wieder zwingen Smalltalk zu führen, meine Social Media Kanäle zu füllen und mein virtuelles Ich am Leben zu halten.

Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist. Ich liebe das Bloggen, es gehört irgendwie zu mir und verkörpert genau das, was ich so gerne mache. Schreiben, Mode, Bilder bearbeiten und ja, auch mit html spielen und die vielen kleinen technischen Hintergründe daran (vielleicht der Einfluss meines Papas, dem Informatiker). Ich mag diese eigene, persönliche Plattform, wo ich Gestalter, Regisseur, Model und Drehbuchschreiber bin, auf der ich bestimme und die ich mit anderen teilen kann. Aber ehrlich gesagt, mag ich mein Reallife auch sehr gerne. Die echte Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden, meine Privatsphäre und mein ungeschminktes Ich, das einfach nur alleine sein will. Aber leider hat sich das Bloggen immer mehr zu einem 24 Stunden Dienst entwickelt, mit hungrigen, ständig fordernden Plattformen, die gefüttert werden wollen, damit man weiterhin in der Blogosphäre sichtbar bleibt. Plattformen mit echten und unechten Menschen, die rund um die Uhr an der Stange gehalten werden müssen, da sie sich sonst das nächste austauschbare Individuum suchen, das sie zum Darsteller ihrer persönlichen Daily Soap machen. Mit Facebook, Instagram und vor allem Snapchat haben wir unser eigenes Big Brother geschaffen – unsere eigene Truman Show.

Blogger | Glasschuh.com

Mit Facebook, Instagram und vor allem Snapchat haben wir unser eigenes Big Brother geschaffen – unsere eigene Truman Show.

Es fängt beim Frühstück an, geht über das Ankleiden im begehbaren Kleiderschrank, mit dem Starbucks in der Hand zum Shooting Termin, Lunch mit den Girls, Blogger Event – bei Snapchat gut erkennbar an der gleichen Hintergrundmusik bei mehreren Bloggern – und endet abends immer noch frisch und happy im Bett. Besonders kritisch wird es, wenn das eigene Kind zum Star der persönlichen Truman Show gemacht wird und ständig – ob mit Windel oder im Designer Kleidchen – in die Kamera gehalten und wirklich unbewusst ein kleiner Star wird.
Ja, Snapchat hebt die Art von täglichem Entertainment auf eine ganz neue Stufe und die glamouröse aber scheinbar so authentische Welt mancher Blogger ersetzt bei einigen sicherlich schon das Abendprogramm vorm Fernseher. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich muss in letzter Zeit häufig an die Truman-Show mit Jim Carey denken, in dem jede Sekunde von Trumans Leben dokumentiert und ausgestrahlt wird, ohne dass er es weiß – On the air. Unaware. Trumans Leben wird vermarktet, ohne dass es ihm bewusst ist. Wir vermarkten ganz bewusst unser Leben in dem wir uns als Blogger zu Social Media Stars machen und uns Tag für Tag selbst filmen oder fotografieren und so für andere unser Leben dokumentieren – in wie weit dieses Leben authentisch dargestellt wird, ist dabei eine andere Diskussion.

Blogger | Glasschuh.com

Ich habe realisiert, dass ich ein Problem mit Social Media habe, ich habe sogar analysiert, worin genau das Problem besteht. Nur lösen kann ich es nicht. Ich sitze zwischen den Stühlen, möchte meinen Blog nicht aufgeben – meine Persönlichkeit und meine Privatsphäre aber auch nicht. Ich stelle meine Überlegungen einfach mal zur Diskussion. Wie steht ihr Facebook, Instagram und Snapchat gegenüber? Seht ihr es als Chance oder als Risiko? Freut ihr euch über den noch engeren und direkteren Kontakt zu den Lesern oder ist euch diese Präsenz und das Zur-Verfügung-Stehen ähnlich suspekt wie mir?

Wie geht ihr mit dem Thema um? Sind wir alle kleine Trumans oder ist Snapchat doch harmloser als ich denke?

on-the-air-aware

 

featured image credit: Bloom and Flourish
Photo Credit black&white: Anna Warga Fotografie

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18 Comments

  • Liebe Lea Christin,

    ich stimme dir sooo sehr zu! Am Anfang mochte ich Snapchat wirklich gerne. Einfach mal sehen, was bei den ganzen anderen so läuft. Da hat es gereicht, mal abends 20 Minuten ein bisschen reinzuschauen. Mittlerweile geht eine Snapchatstory 20 Minuten. Ich möchte das nicht sehen! Ich möchte nicht jeden von morgens bis abends beobachten.
    Ich liebe z.B. Accounts die pro Tag bis zu 3-5 Snaps machen, die dann für mich einen Mehrwert haben. Die Highlights. Und ich finde das muss reichen.
    Und auch von der eigenen Seite finde ich es furchtbar sehr private Momente mit Familie und Freunden zu teilen und es scheint fast so als müsste man es, um mithalten zu können. Ich mag Snapchat, aber eben, wie alles, in Maßen.
    Ich bin dagegen jeden Moment immer zu teilen. Es sollte sich einfach gut anfühlen und man sollte selbst entscheiden, was man für sich selbst vertreten kann und wo seine eigenen Grenzen sind.
    Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, die auch diese Zurückhaltung zu schätzen wissen.

    Liebste Grüße

    Jessika

    http://www.jessikafashion.com

    • Liebe Jessika,
      danke für deine Worte! Ich stimme dir absolut zu! Was Snapchat angeht, geht es mir gerade ganz genauso…ich kann mir vorstellen, dass ich selbst wieder etwas aktiver werde, wenn ich einfach nicht nur arbeite, lerne und schlafe, sondern auch mal was interessantes mache :D
      Aber genau das ist das Problem, wissen die Leute das wirklich zu schätzen oder macht man sich selbst unsichtbar und damit belanglos?

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Ein gut geschriebener Beitrag, wie ich finde. Vor nicht allzu langer Zeit, habe ich mich auch einige Gedanken zu dem Thema gemacht. Spätestens, wenn mir mal wieder Dinge einfallen, die ich gern mit anderen teilen würde, bei denen ich dann jedoch irgendwann denke “Nein, so tief möchte ich nicht gehen, das ist mir zu intim”. Man muss nicht alles immer preisgeben. Manche Dinge wären allerdings sehr tief und würden bei bestimmten Themen, die vielleicht ein wenig pikant sind oder ‘Tabuthemen’, die keine sein dürften, ein Zeichen setzen. Daraus entsteht bei mir immer mal wieder irgendwann auch eine gewisse Art von Frustration.

    • Liebe Yuna,
      freut mich sehr, dass du meine Gedanken teilst :) Ich habe neulich bei einer Bloggerin ihre sehr intime Beziehungsgeschichte gelesen und dachte nur so…neee…also das würde ich jetzt nicht so im Internet lesen wollen. Aber gut, die Grenzen muss jeder für sich selbst ziehen und das ist auch gut so!

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Ich verstehe dich nur zu gut. Diese sozialen Medien hindern uns – zumindest sehe ich das so – auch am tatsächlichen Leben. Ständig hat man das Gefühl, irgendwas instagramen zu müssen, vielleicht mal ein bisschen was auf Snapchat zeigen. Angst, wieder weniger Abonnenten zu haben. Ich habe in den letzten 3 Wochen 73 Abonnenten verloren und 65 bekommen. So geht das seit vielen Monaten. Nur… warum macht mich das traurig? Es ist doch nur eine Zahl…
    Aber es setzt mich unter Druck, genau wie die Tatsache dass ich, im Gegensatz zu so vielen anderen, wirklich eine überschaubare Zahl Follower habe. Es ist wichtig, wieviele Follower man auf Instagram hat. Hast du weniger, bist du automatisch weniger Wert und zählst gleichzeitig weniger als Bloggerin und hast somit weniger “Freunde”. Erstaunlich, wie die Leute doch sind, wenn die denken, dass sie irgendwie von dir profitieren können und wie sie sich abwenden, wenn sie merken, dass es nicht so ist.
    Das ist auch der Grund, warum ich schon seit einem knappen halben Jahr weniger aktiv bin. Jeden Tag 1-3 Bilder posten? Wie bitte soll ich das machen? So interessant ist mein Leben nicht. Was gleich zum nächsten Punkt führt: Man fühlt sich irgendwie schlecht, weil scheinbar alle anderen mehr erleben, mehr besitzen, mehr leben….

    Mittlerweile poste ich auch mal 5 Tage am Stück keins und es ist mir… fast egal. Ich hab es aufgegeben, nutze es nur noch als Ergänzung zum Blog.
    Ähnlich ist es mit Snapchat. Ich Snape selten. Dann, wenn es mir mal in den Sinn kommt und ich etwas zum snapen habe.Aber warum soll ich snappen, wenn ich irgendwohin laufe nur um des snapen Willens? Mein Frühstück sieht nie so aus, als dass ich es gerne in die Kamera halten möchte.
    Irgendwie macht mir auch die Tatsache angst, dass gerade bei Snapchat jeder alles über dich weiss. Wie es in deiner Wohnung aussieht, wo welche Sachen stehen und auch, wann du nicht zuhause bist.
    Ich finde die sozialen Medien super als Ergänzung. Aber eben in Maßen. Und ich finde, dass dieser Hype oder eher die Blogger/Instagramblogger/whatever die tatsächliche Idee hinter Instagram und Snapchat kaputt gemacht haben …

    • Liebe Jane,
      achja, ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen! Dieses ewige Vergleichen mit Zahlen geht mir auch sowas von auf die Nerven und mein Leben spielt sich momentan nunmal nicht zwischen Großstadt Jetset und Hotel Room Service ab, sondern zwischen Uni, Arbeit und meinem Bett :D Warum sollte ich mein Leben unnatürlich aufbauschen, nur um mit anderen mithalten zu können? Dafür ist mir meine Zeit eindeutig zu wertvoll und ich verbringe sie lieber mit meiner Familie, als vor meinem Handy….

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Über das Thema habe ich mir schon so viele Gedanken gemacht und bin selbst zu keiner wirklichen Lösung gekommen. Einerseits geht mir Social Media mega auf die Nerven, den ich habe manchmal (oder sogar ziemlich oft) keine Lust drauf. Aber ich weiß, dass ich es machen muss. Das bezieht sich vor allem auf Instagram. Bin ich mal einen Tag nicht online oder sagen wir mal für mehr als 12 Stunden, bekomme ich das sofort zu spüren: weniger Likes, weniger Follower – alles von vorne. Diese Kraft habe ich einfach nicht, jeden Tag aufs Neue zu starten. Man könnte einfach aufhören, aber kann man das wirklich? Dann dann meldet sich mein Ehrgeiz, der sagt: Warum andere und du nicht? Du bist nicht schlechter, andere sind nur aktiver. Und letztendlich ist Bloggen mit allem drum und dran, dass einzige Hobby, dass mir wirklich Spaß macht. So was mag man dann nicht aufgeben.
    Ich kann deine Gedanken absolut nachvollziehen!

    Liebste Grüße
    Dorina // Adeline und Gustav

    • Liebe Rina,
      genau das ist es nämlich! Dieses “Ich muss es machen” um mitzuhalten, ist so ein schlimmer Druck momentan für mich, den ich überhaupt nicht leiden kann! Aber ich habe auch noch keine Lösung für mich gefunden, da geht es mir ähnlich wie dir, ich möchte das Bloggen auch auf gar keinen Fall aufgeben!

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Liebe Lea Christin,

    du sprichst mir aus der Seele. Diese ständige Flut von Bildern und kleinen Videos auf Snapchat und Instagram ist mittlerweile wirklich anstrengend und sorgt auch manchmal dafür, dass man kleine Momente im reelen Leben verschwendet.

    Ich selbst habe erst vor kurzem angefangen zu bloggen und bin auf Instagram sehr spärlich zu Gange, auf Snapchat überhaupt nicht. Leider weiß ich, dass mein Blog ohne die Verbindung zu anderen sozialen Netzwerden kaum gelesen werden wird.
    Die Zeiten, in denen Blogger einmal die Woche einen Beitrag geschrieben haben und vielleicht eine Like-Seite auf Facebook hatten, sind vorbei. Das ist auf der einen Seite sehr schade, weil es oft den Anschein hat, als würde es nur noch darum gehen, sich selbst so gut wie möglich darzustellen und der Inhalt völlig untergeht.
    Allerdings, und das finde ich an den Sozialen Netzwerken wirklich toll, bietet es eine Möglichkeit, das mit anderen zu teilen, was einen selbst bewegt und begeistert.

    Liebe Grüße,
    Christin

    http://privatsoulbox.blogspot.de/

    • Liebe Christin,
      freut mich sehr, dass du so eine differenzierte Sichtweise auf die Sozialen Medien hast, es gibt nunmal immer zwei Seiten einer Medaille :) Du hast absolut recht – man merkt gar nicht, wie viel Zeit man auf Facebook, Instagram und Co “verschwendet” in dem man einfach nur das Leben anderer konsumiert. Das hat ja auch nichts mit der Inspiration oder das Lernen durch Blogs zu tun, sondern gleicht eher Reality Shows zur Unterhaltung…

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Liebe Lea Christin,

    ich stimme dir sooo sehr zu! Am Anfang war alles noch so lustig und locker. Mein Insta war immer schon recht öffentlich, aber dementsprechend auch eher nur Outfitposts (nichts privates/nicht mein Freund usw…) Snapchat benutze ich selten, denn die Zeit die dafür drauf geht ist enorm. Meinen Blog schreibe ich, wenn ich LUST dazu habe und nicht, wann ich muss… solange ich mir da noch meine Freiheiten lasse… ist es gut… leider merke ich aber aich bei Insta, dass es so schlimm geworden ist… jeder will die meisten Follower / das beste Bild / und alles muss perfekt aussehen… das perfekte Leben auf einer Plattform… und es nervt… es nervt jeden tag… man bekommt Kopfschmerzen…

    Verstehe deine Gedanken gut. ♥

    Viele liebe Grüße,

    Dani
    http://www.daninanaa.com
    Und auch von der eigenen Seite finde ich es furchtbar sehr private Momente mit Familie und Freunden zu teilen und es scheint fast so als müsste man es, um mithalten zu können. Ich mag Snapchat, aber eben, wie alles, in Maßen.
    Ich bin dagegen jeden Moment immer zu teilen. Es sollte sich einfach gut anfühlen und man sollte selbst entscheiden, was man für sich selbst vertreten kann und wo seine eigenen Grenzen sind.
    Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, die auch diese Zurückhaltung zu schätzen wissen.

    Liebste Grüße

    • Liebe Dani,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Jeder muss selbst für sich entscheiden, was man der Öffentlichkeit preis gibt…erst dann lernt man das Wort Privatsphäre auch zu schätzen! :D

      Liebst ♥
      Lea Christin

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