Mein Umzug: 1. vom Ankommen und Loslassen

Es fällt mir schwer Dinge wegzuwerfen. Es ist nicht nur so, dass mir bei vieles der Gedanke kommt, dass ich es noch irgendwann gebrauchen könnte. Sehr viele Dinge erinnern mich einfach an schöne Momente. Seien es Schmuckstücke oder irgend ein Kitsch. So schön diese Erinnerungen auch sind, und so ungern ich mich bislang von meinen Sachen getrennt habe, desto mehr muss ich sagen, dass sie mich belasten. Wenn man zwei Wochen lang fast durchgehend Kisten und Säcke aus dem Dritten Stock ins Auto und dann wieder in den ersten Stock schleppt, fängt man an nachzudenken. Warum zum Teufel, habe ich drei Säcke voll mit Schuhen? Und zwei mit Strümpfen und Strumpfhosen, eine ganze Kiste voll mit Schmuck? Und wieso hebe ich kistenweise Zeug aus vergangenen Semestern und der Abizeit auf?
Bestimmt nicht alles aus nostalgischen Gründen und ganz sicher nicht, weil ich die zwei Kilo Strumpfhosen irgendwann noch einmal tragen werde. Es ist vermutlich eine menschliche Eigenschaft, dass es Überwindung kostet, Dinge zu entsorgen. Die einen können es schneller, einige gar nicht. Vielleicht hat es mit Wertschätzung zu tun und dem Gefühl, dass dieses Gut einmal wichtig für uns war und nicht so einfach aus unserem Leben verschwinden sollte.

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Beim Aufbauen meiner Möbel – noch voller Energie und Tatendrang!

Meine neue Wohnung, mit meinem etwas kleineren Zimmer, glich die vergangene Woche eher einem Messihaushalt. Eine schmale Schneise im Flur, überall Kartons, Kisten, Ikea-Tüten und Müllsäcke. Irgendwann – zwischen Unisachen unterm Bett verstauen und Schmuck sortieren – habe ich dann meine Hemmungen verloren. Alles Mögliche landete in Müllsäcken, diesmal nicht um irgendwann verstaut zu werden, sondern um entsorgt zu werden. Immer schneller wurde ich, habe Papier, Schmuck und Schuhe in den Säcken verschwinden lassen. Einiges wird gespendet, anderes landet in der Tonne.
Seit mir meine eigenen Habseligkeiten so belastend vorkommen, habe ich richtige Bedenken mir neues anzuschaffen. Wohin? Wohin mit all dem Zeug, dem nutzlosen Gut? So viele Bücher und Kerzenständer, Taschen und Ordner und ich weiß genau, dass ich mich nicht von allem trennen kann. Ich  kann nicht alles wegwerfen und mich davon befreien. Ich frage mich, was daraus wird, aus all dem Kram, den man über die Jahre hinweg ansammelt. Die Euphorie über den Kauf bleibt manchmal länger, manchmal kürzer. Aber früher oder später wird der Moment kommen, in dem ich davon genug habe…Es gruselt mich bereits jetzt vor dem nächsten Umzug in ein paar Jahren und habe mir fest vorgenommen, dass es dann anders laufen wird.
Damit es mich in Zukunft nicht mehr graust zu konsumieren, aber auch nicht mehr graust irgendwas weg zu werfen, habe ich einen Plan aufgestellt, den ich versuchen werde einzuhalten:

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N° 1 – Status quo herstellen

Es geht ans Ausmisten, Sortieren und Sondieren. Was habe ich? Was kann weg? Ein radikaler Schritt, an dessen Ende viele Mülltüten stehen werden, wirkt am befreiendsten und effektivsten. Ist allerdings auch mit vielen unangenehmen Gefühlen und Zeit verbunden. Manchmal hilft es auch schon, einfach eine Schublade zu nehmen und anzufangen.
Der Status quo ist erreicht, wenn alle Habseligkeiten einmal durch die Hände gewandert sind (vielleicht auch nur gedanklich) und bei jedem Stück beschlossen wurde, dass es bleiben darf oder dass es gehen kann. Alle Dinge, die jetzt noch da sind, sollten einen festen Platz in den eigenen vier Wänden haben und ohne schlechte Gedanken bleiben dürfen. Ein kleines Hintertürchen kann man sich mit einer (!) Kiste oder Schublade mit Sachen, die man einfach nicht wegwerfen kann, die aber auch nirgends so richtig hingehören, schaffen – zu streng sollte man auch nicht mit sich sein.

N°2 – Eins rein – eins raus

Nach dieser Regel kann man shoppen so viel man will, so lange ein Ding wieder aus dem Schrank herauswandert. Und am Besten nichts wahllos ausgewähltes, sondern etwas wertgleiches oder zumindest etwas aus der selben Kategorie. Schafft man sich einen neuen Rock an, muss ein alter gehn. Hat man gar keine Röcke, dann wandert vielleicht eine Hose in den Altkleidercontainer. Ähnlich bei Dekoartikeln. Hilfreich sind auch selbst auferlegte Kaufsperren, bei zum Beispiel Beautyartikeln: erst wenn das letzte Shampoo im Badezimmerschrank aufgebraucht ist, darf man losziehen und sich ein neues kaufen.

N°3 – Bloß nichts spontanes

Spontankäufe sollten vermieden werden. Bei spontanen Besuchen in der Stadt landet zu viel Zeug in der Wohnung, das man gar nicht wirklich benötigt. Schreibt man sich aber hin und wieder die dringend benötigten Dinge auf und geht nur ganz gezielt einkaufen, vermeidet man das Kaufen von Dingen, die das nächste mal eh im Müll landen. Und wenn man sich Regel 2 auch bei einem spontanen Besuch in der Stadt vor Augen hält, lässt man den vierten Nude-Nagellack oder die fünfte Jeans vielleicht doch lieber dort.

N° 4 – Qualität vor Quantität

Ein altbewerter und immer noch aktueller Satz. An guter Qualität hat man lange Freude! Lieber für ein Stück etwas mehr Geld ausgeben, etwas wirklich gutes Kaufen und vielleicht fünf Sachen hängen lassen. So sammelt man weniger Müll an und hat Dinge in seiner Wohnung, die man alleine deswegen schon wertschätzt, weil sie teurer waren. Vor allem bei Kleidung möchte ich noch mehr darauf achten. Vielleicht hilft auch der Gedanke, dass sich ein guter COS Pullover besser weiter verkaufen lässt, als der x-te von H&M…

N° 5 – Regelmäßig kontrollieren

Ich hatte die Ausnahme-Schublade schon oben erwähnt, aber ganz wichtig beim Entmüllen des Alltags ist die Regelmäßigkeit und das ständige Hinterfragen. Hin und wieder die Kiste voller Dinge anschauen, die Kleidung sondieren und Dinge, die dann doch wieder in Vergessenheit geraten sind, aussortieren. Nur diese Regelmäßigkeit bewahrt davor, nachlässig mit sich selbst und mit dem eigenen Kaufverhalten zu werden und schützt uns davor, nicht in unserem eigenen Konsumstrudel zu ertrinken. Weniger ist häufig mehr, auch so ein alter Spruch der immer noch Aktualität besitzt.

Was sind eure Tipps, um nicht zu viel Zeug anzuhäufen? Kennt ihr das Gefühl von euren eigenen Habseligkeiten erdrückt zu werden?

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11 Comments

  • Neulich habe ich von Marie Kondo Magic Cleaning gelesen. Ausmisten und wegwerfen kann ich gut! Ich mache das zweimal im Jahr! Dadurch habe ich zwar wenig in der Wohnung, dafür aber Dinge, die mich glücklich machen.
    Die schlechte Qualität hat mich erst kürzlich eingeholt: Da ich dieses Jahr komplett aufs Shopping verzichten will, trage ich nun alles was ich habe und siehe da: die Wollpullis von Primark leiern langsam aus, genauso wie die vom New Yorker, die Jeans von H&M werden langsam porös…Naja, ab nächstem Jahr gibt es dann eben gute Qualität, da hat man am Ende mehr!

    ich wünsche dir noch viel Spaß beim Umziehen und ausmisten und aufräumen…am Ende fühlt sich die Seele auch leichter! :-*

    ganz liebe Grüße
    Melanie / http://www.inblushandblack.blogspot.de

    • Liebe Melanie,
      danke! Das hört sich super interessant an, danke für den Tipp! Ich werde von nun an auch wesentlich häufiger ausmisten denke ich! Es ist einfach so befreiend :)
      Ein Jahr nicht zu shoppen, stelle ich mir verdammt schwer vor! Da hast du meinen absoluten Respekt!

      Liebst ♥
      Christin

  • Super Tipps, dankeschön! Ich bin auch so, dass ich mich nur sehr schwer von Dingen trennen kann. Ich will sie meistens als Andenken behalten oder denke eben auch, ich würde sie irgendwann vielleicht nochmal benötigen. Bei Klamotten ist das auch so. Selbst, wenn mir ein Teil nicht mehr passt fällt es mir schwer, es auszusortieren.

    Ganz liebe Grüße,
    Krissisophie von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

    • Liebe Krissisophie,
      am Anfang fiel es mir auch unheimlich schwer, aber sowas lernt sich auch! Gerade bei meiner Kleidung, die ich zum Beispiel “zum Schlafen” aufgehoben habe, war ich jetzt super radikal und habe die ganzen ausgewaschenen und vertragenen Sachen ausgemistet ^^

      Liebst ♥
      Christin

  • Hallo Lea, ich habe die KonMari Methode für mich entdeckt. Eigentlich klingt es so simpel, dass man denkt, das kann doch nicht wahr sein und doch es funktioniert. Man sortiert dabei nach Kategorien und nicht nach Schubladen, Möbelstücken oder Zimmern aus und trägt immer erst einmal alles einer Kategorie zusammen.

    • Der Vorteil ist, dass man dann sieht wieviel Schuhe man z.B. hat und häufig ziemlich geschockt ist. Dann fasst man jedes einzelne Stück an, und entscheidet, ob es einen glücklich macht. So einfach ist das nämlich. Man sollte sich nur mit Dingen umgeben, die einen glücklich machen und nicht mit solchen die man aus schlechtem Gewissen o. ä. Gründen aufhebt. Wenn Du magst, schau mal vorbei, ich habe bereits einen Blogpost zum Thema veröffentlicht und es werden weitere folgen. Außerdem gibt es einige recht aktive Facebook Gruppen zum Thema, die wahnsinnig motivierend sind. Das toll ist, hat man einmal seine Wohnung KonMarilike aufgeräumt, bleibt sie so. Denn man shoppt automatisch weniger und lässt auch so weniger in die Wohnung. D.h. ungewollte Dinge gehen schneller nebenbei ohne großen Aufwand und Ordnung ist alltäglich weil alles seinen Platz hat.

    • Hallo meine Liebe,
      vielen Dank für den guten Tipp! Die Technik habe ich unbewusst bei einigen Dingen schon angewendet. Wie zum Beispiel bei den Schuhen – die habe ich ja alle in Säcke gestopft und dann nacheinander rausgeholt und bei jedem einzelnen Paar entschieden, ob sie bleiben dürfen oder gehen müssen. Ich schau auch gleich mal bei dir vorbei :)

      Liebst ♥
      Christin

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