Wie geht das eigentlich mit den Prioritäten?

Der Tag hat nur 24 Stunden und das Jahr nur 365 – pardón diesmal sogar 366 – Tage. Da ist es nur logisch und selbstverständlich, dass man nicht alles, was man gerne möchte auch wirklich machen kann. Prioritäten setzen heißt es dann. Ich bin jemand, der gerne viel auf einmal macht. Das mag zunächst einmal paradox klingen, ist aber genauso und ich denke, dass es einigen von euch auch so geht. Dieser Balanceakt zwischen tödlichem Stress und diesem kribbeligen Gefühl der Lebendigkeit bei einem vollen Terminkalender und einem Termin an den nächsten. Zeitdruck kann aufpuschend wirken und an anderen Tagen lähmend. Es ist ein Drahtseilakt und nicht selten bin ich schon daran verzweifelt.

Bin ich also selbst Schuld an meinem Stress?

Ist es die hohe Anforderung an mich selbst, die mich nachts nicht schlafen lässt und mein Perfektionsdrang, der mich schlaucht? Ich würde darauf entgegnen: Teils, teils. Natürlich kann ich mich unnötig selbst unter Druck setzen, mir zu viel vornehmen und am Ende womöglich unter der Last zusammen brechen. Andererseits ist da natürlich diese Erwartungshaltung von anderen. Sei es, dass man sich von der Gesellschaft an sich gestresst fühlt – Erfolgreich sein, das Gefühl mit anderen mithalten zu müssen – oder von Freunden und Verwandten, die selbstverständlich auch alle einen Teil von dir haben wollen. Man will es allen Recht machen, oder? Zwischen die Vorlesungen werden Lunch und Kaffee und Verabredungen gequetscht, am Wochenende ein Brunch, dann mit dem Freund durch die Stadt bummeln, Abends essen gehen – Jammern auf hohem Niveau, ich weiß – aber trotzdem.

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Ich mache Schluss…

Dann merke ich nach einem Monat erstaunt, dass ich mich seit Wochen nicht mit einer meiner besten Freundinnen unterhalten habe. Wir telefonieren zwanzig Minuten… ihr geht es genauso wie mir, gestresst, aber auch eigentlich glücklich. Das Problem sind nicht die Menschen, die genauso viel zu tun haben, wie du selbst. Denn denen fällt es selbst nicht auf, dass du dich seit Wochen nicht gemeldet hast – schließlich geht es ihnen genauso. Eine Verabredung darf auch ruhig mal nur zwei Stunden dauern und nicht fünf, denn sie hat auch einen Termin nach den nächsten.
Es sind die Menschen, die mehr Zeit haben, als man selbst, die einen stressen. Die sich zurück gesetzt fühlen, weil man keine Zeit für sie hatte in den letzten zwei Wochen – und zwar nicht für wichtiges wie Tränen trocknen nach einer Trennung, sondern für einfaches Reden, Tratschen. Die Menschen, die es nicht wertschätzen können, wenn man extra ihretwegen Termine hin und her schiebt, damit man Zeit hat für einen Kaffee und die aufgebrühten Probleme, die man schon zigmal miteinander besprochen hat.
Ich wette, jeder von euch hat genau so welche Menschen in seinem Freundeskreis. Energiesauger. Ich habe bereits in meinem Post zum Jahresbeginn geschrieben, dass ich mehr darauf achten möchte, welchen Menschen ich meine Zeit schenke und dass ich mit denen Schluss mache, die meine Zeit weder schätzen, noch diese mit Inhalt und Mehrwert füllen.

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Allgemein geht es bei dem Balanceakt des alltäglichen Lebens sehr ums Prioritäten setzen. Nicht nur die Menschen in unserem Umfeld bekommen, wenn auch manchmal ganz unbewusst, Prioritäten zugewiesen, sondern auch jeder andere Bereich in unserem Leben. Bei mir sind das wohl die Bereiche Studium, Blog, Sport (bzw. Zeit für mich und meinen Körper, also auch Schlaf!) und Beziehungen. Auf die Beziehungen bin ich oben schon eingegangen und ich muss sagen, dass ich meinem Sozialleben teilweise eine sehr niedrige Priorität zuordne. Da gibt es meinen Freund und meine Familie, die ich regelmäßig sehe. Meine besten Freundinnen, die ich natürlich viel zu selten sehe, da sie in anderen Städten wohnen und ansonsten gute Bekannte und Freundinnen, die man hin und wieder sieht und mit denen man ein paar nette Stunden beim Lunch oder Kaffee verbringt. Party? Gabs schon lange nicht mehr. Das ist so ein Bereich, den ich fast vollständig aus meinem Leben gestrichen habe, weil ich hier einfach die Priorität anders setze. Partys kosten Geld und sich davon zu erholen nimmt mir zu viel Zeit in Anspruch.

Bin ich wirklich so spießig oder nur berechnend?

Und was ist wohl schlimmer? Das Adjektiv spießig, musste ich mir die letzten Monate schon von so einigen Personen anhören. Meistens Menschen aus meinem Umfeld, die einen großen Freundeskreis haben und beinah jede Woche auf einer Party sind. Ehrlich gesagt, möchte ich auch lieber als spießig angesehen werden und nicht auf diese Events gehen. Dafür schlafe ich lieber aus und zelebriere ein umfangreiches Frühstück mit meinem Freund und zwar ohne Kater.
An dieser Stelle kommt eindeutig eine Seite in mir zum Vorschein, die irgendwie berechnend ist. Wenn ich dort hin gehe, kann ich das nicht machen. Was bringt mir persönlich mehr? Das Leben ist ein Abwägen und Prioritäten setzen. Stressig wird es dann, wenn ich viele meiner Wünsche unter einen Hut bekommen möchte.
Ein großes Problem in meinem Leben ist hier zum Beispiel jedes Jahr die Fashion Week in Berlin, die leider immer in meine Prüfungszeit fällt. Hier setze ich also immer Studium vor Blog, denn auch wenn ich tierisch gerne einmal den Rummel in Berlin mit erleben möchte, so wirklich etwas davon haben, tue ich nicht wirklich. Da bleibe ich also die fleißige Studentin und bestehe wenigstens ein paar Klausuren.

Es ist nicht schlimm berechnend zu sein, zumindest was das eigene Zeitmanagement betrifft. Schließlich haben wir nur dieses eine Leben, diese 24 Stunden am Tag. Ich muss sie selbst gestalten und abwägen, was wichtig und was unwichtig ist.

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…und was hab ich nun davon?

Worauf ich eigentlich hinaus möchte? Einerseits möchte ich euch sagen: Ihr seid nicht allein! Wir leben in einer hektischen, stressigen Zeit, mit viel zu vielen Möglichkeiten ständig kontaktiert oder überwacht zu werden und vor allem sich ständig zu vergleichen. Aber ich möchte vor allem eins: Tipps sammeln, an euch weiter geben, einen Erfahrungsaustausch mit euch starten! Was stresst euch vor allem? Wir (oder unser Umfeld) verleiten uns viel zu schnell zu der Ich-bin-doch-selbst-Schuld-Stellung was unseren Stress angeht. Wir sind zwar der Leiter, der unser Leben so gut wie möglich steuert und Prioritäten setzt, aber willig die Schuld auf uns nehmen, müssen wir nicht.

In den nächsten Wochen und Monaten wird es viele Posts (und eventuell auch Videos) zum Thema Planung, Organisation, Zeit-Management und Co. geben. Falls ihr bestimmte Fragen, Wünsche oder Anregungen zu dem Thema habt, dann schreibt mir gerne! Schließlich sind wir ja alles nur Menschen, die ihre Zeit möglichst sinngebend, schön und bereichernd gestalten wollen, oder?

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23 Comments

  • Schöner Blog-Post! Dein Verhalten ist nicht berechnend, es ist sehr erwachsen! Du setzt Prioriäten und entscheidest, was dir wichtig ist. Das das nicht immer dasselbe ist, was andere für wichtig erachten, ist klar. Aber es ist nicht deine Aufgabe, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wenn du nicht gerne auf Partys gehst, dann ist das eben so. Punkt. Wenn es dir damit gut geht, ist alles in Ordnung. Wem das nicht passt, der passt eventuell auch nicht in dein Leben. Ich habe mich entschieden, mich von solchen Menschen zu trennen. Zeit- und Energieräubern gebe ich keinen Platz mehr in meinem Leben – dazu ist es viel zu kurz. ;-)

    Liebe Grüße,
    Valérie

    • Liebe Valérie,
      vielen Dank für deine Worte, sie sprechen mir aus der Seele! In den letzten Jahren fiel es mir noch schwer meinen Standpunkt klar zu machen und bin noch häufig eingeknickt. Dabei ist es wesentlich schöner – und macht auch glücklicher – wenn man zu seinen Überzeugungen steht. 2016 wird auf jeden Fall ein Aufräumjahr: Schluss mit Energiefressern! :D

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Der Post ist total schön! Allein du entscheidest, mit wem du Zeit verbringen möchtest und mit wem niccht. Das ist dein gutes Recht, denn nur du kannst für dich entscheiden, was dich glücklich macht und was nicht! ich persönlich finde ja, dass das leben viel zu kurz ist um “falschen Leuten” zeit zu schenken.

    ganz liebe Grüße
    Melanie / http://www.inblushandblack.blogspot.de

  • Schöner Post, da habe ich mich sehr angesprochen gefühlt! Momentan bleibt mir neben dem Ref und der Fahrerei kaum noch Zeit übrig, viel mit Sozialleben ist da nicht mehr =/ Und zur Fashionweek hab ich es auch noch nicht geschafft, fällt ja auch jedes Jahr auf eine normale Schulwoche =/
    Love, Héloise
    Et Omnia Vanitas

    • Liebe Héloise,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Man muss sich häufiger daran erinnern, dass sehr viele andere auch genügend zu tun haben und es auch nicht unbedingt zur Fashionweek schaffen – sehr beruhigend ;)

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Toller Post, mir geht es oft genau so! Manchmal denke ich mir aber, dass ich meist auch einfach eher positiven Stress habe, in dem Sinne, dass ich zwar Stress habe, aber er mich nicht ganz so tangiert, macht das Sinn? :D

    • Ich finde das macht durchaus Sinn! Genau das meine ich mit dieser Lebendigkeit im ersten Absatz. Dieser positive Stress, der eigentlich nur bedeutet, dass man gut ausgelastet ist und viel zu tun hat :) Das Skurille ist ja, dass ich mich wesentlich schlechter fühle, wenn ich gar nichts zu tun habe und mich langweile :D

      Liebst ♥
      Lea Christin

    • Liebe Anna,
      danke! Freut mich sehr, dass ich zum Nachdenken anregen konnte! Das Thema wird hier jetzt noch häufiger zur Sprache kommen, vielleicht hilft es dir auch bei deinem Zeit- bzw. Selbstmanagement :)

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Toller Post! Mich stresst es, wenn jede Woche mehrere Klausuren geschrieben werden, besonders da sie jetzt sehr viel mehr zählen als noch vor ein paar Jahren, denn sie fließen in meine Abi-Note mit ein. Es stresst mich, wenn ich darüber nachdenke, dass ich in 1 1/2 Jahren mein Abitur mache, denn ich werde sehr sehr viel lernen müssen, da ich natürlich ein gutes Abi machen will. Im Moment habe ich zum Glück kaum Stress, da die Klausuren rum sind, ich ab morgen, 12:45 Uhr, eine Woche Ferien habe und erst in der zweiten Woche nach den Ferien die nächsten Klausuren anstehen. Spätestens dann wird es aber wieder stressig werden…

    Ganz liebe Grüße,
    Krissisophie von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

    • Liebe Krissisophie,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern und diese riesige Hürde, die das Abi für mich darstellte! Ich drück dir die Daumen, dass sich alles zu deiner Zufriedenheit entwickelt :)

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Ich denke immer, dass Stress ein so weiter Begriff ist und am meisten davon abhängt, was man selbst daraus macht. Es gibt Menschen, wie zum Beispiel meinen werten Herzmann, der empfindet es schon als Stress, wenn eine Winzigkeit anders abläuft, als er es geplant hat. Beispielsweise, wenn die Bahn 5 Minuten Verspätung hat oder der gewünschte Käse im Supermarkt ausverkauft ist. Er ist ein notorischer Nörgler und stresst sich damit unnötig selbst.
    Ich packe mir meine Tage meist eher ziemlich voll, gerät mal etwas aus dem Ruder, dann stukturiere ich Pläne um, nehme das einfach als Herausforderung an und nicht als enormes Laster – so verfällt man auch nicht in ein seltsames Loch, in dem man irgendwann alles als Stress empfindet.

    • Für mich sind fünf Minuten Bahnverspätung kein Ärgernis, sondern fünf geschenkte Minuten, an denen ich nochmal tief durchatmen kann. Und wenn der Käse ausverkauft ist, dann ist das eine Aufforderung, mal einen anderen auszuprobieren und vielleicht einen neuen Lieblingskäse für sich zu entdecken.

      Das ist zwar nicht direkt die Aussage deines Textes, aber was ich damit sagen will: wenn man etwas mit Freude macht, dann ist alles immer halb so schlimm.

    • Liebe Fräulein Bird,
      vielen Dank für deine Worte! Ich habe auch häufig das Problem, dass ich Dinger “überplane” und keinen Raum für unerwartete Abweichungen lasse. Ich versuche mich aber immer wieder daran zu erinnern, dass davon nicht die Welt untergeht und eine gelassenere Sichtweise wesentlich glücklicher macht :)

      Liebst ♥
      Lea Christin

  • Ich probiere es nun nochmal und hoffe, dass dieses mal mein Kommentar abgesendet wird! ;)
    Du sprichst da ein Thema an, was mich selbst verstärkt in letzter Zeit beschäftigt. Ich schreibe oft, dass die ich mich wundere, wo denn bitteschön die Zeit abgeblieben ist, aber seit Ende letzten Jahres habe ich das Gefühl, die Zeit ist mir meilenweit voraus und ich komme absolut gar nicht mehr hinterher. Was mich stresst sind andere Menschen, die meine Prioritäten nicht nachvollziehen können und meinen, mir daraus einen Vorwurf machen zu müssen.

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