Temporarily not available

…the person you have called is temporarily not available…

So lange offline wie in den letzten Wochen war ich glaube ich noch nie. Halb gezwungen, halb freiwillig habe ich mich so gut wie gar nicht auf meinem Blog blicken lassen. Die Posts blieben aus, auf anderen Blogs trieb ich mich auch nicht mehr rum. Ich denke, dass ihr wissen solltet, was in den letzten Wochen mit mir los war. Bei Instagram habe ich sporadisch Lebenszeichen von mir gegeben, aber im Grunde war ich zwei Wochen lang offline. Nicht verfügbar.

Das hatte mehrere Gründe. Der wichtigste und offensichtlichste war wohl der, dass ich irgendwie krank bin, auch wenn mir niemand so genau sagen kann, was es eigentlich ist. Ich war häufig beim Arzt, sogar im Krankenhaus und der richtige Facharzt-Marathon beginnt jetzt erst richtig. Ich will auch gar nicht weiter auf meine ganzen Symptome etc. eingehen – ich fühl mich nicht wohl und sehe die meiste Zeit auch so aus.
Das ich da nicht so richtig bloggen kann, liegt wohl auf der Hand. Allerdings ist es nicht nur mein Unwohlsein, dass mir zu schaffen macht. Es ist auch meine Unzufriedenheit

glasschuh-blogger-pause-2

Irgendwie kriselt es. Einige Blogger haben sich in den letzten Wochen bereits Luft gemacht, über diesen latente Unmut in der Blogger Szene. Auf einigen Blogs spürt man es, es bröckelt die Fassade und man merkt langsam wie anstrengend dieses zweite Ich von einem ist. Besonders gut hat mir die Serie von Angela gefallen. Irgendwann geht man an der virtuellen, glänzenden und überperfekten Welt kaputt und vielleicht ist das auch der Grund, warum mir die letzten Wochen so gut getan haben. Abstand nehmen. Bloß fällt das verdammt schwer, wenn man ernsthaft Interesse daran hat, weiterhin erfolgreich in dieser Branche zu arbeiten. Urlaub nehmen? Fehlanzeige. Die ersten Tage, an denen es mir so richtig schlecht ging, fühlte ich mich vermutlich noch furchtbarer, weil mir alle diese schrecklichen Gedanken durch den Kopf gegeistert sind. Mein Blick morgens in den Spiegel: Das wird heute nichts mit Outfits shooten. Geschweige denn Selfies. Wenn ich krank bin, dann schlafe ich und wenn ich schlafe, posten all die hippen, jungen Girls weiter ihre tollen neuen Looks, kommt ein weiterer Teenie auf die Idee einen Blog zu starten und gehen die spannenden Kooperationen an irgendeinen anderen. Das Rad dreht sich weiter und mit dem auch das Karussell in meinen Kopf mit all den negativen Gedanken, dass ich es eh nicht schaffen werde, dass ich einfach nicht dazu gemacht bin, mein Leben 24/7 auf Instagram, Snapshat und Co breitzutreten und ich ehrlich gesagt auch nicht bereit dafür bin.

do-all-things-with-love

Ich liebe es zu bloggen. Ich liebe es ehrlich! Themen auswählen, Outfits zusammen stellen, Inspiration sammeln, schreiben, designen, entwerfen, planen. Ich liebe alles daran und hasse doch so sehr die Begleiterscheinungen. Die Abhängigkeit, von anderen Menschen, von der Meinung (fremder) Leute und von dem Gefühl etwas bieten zu müssen, Content zu liefern, kreativ zu sein. Dann ist da noch diese ständige Verfügbarkeit. Das Internet hat keinen Pause-Button, hier gibt es kein Wochenende, Urlaubstage oder nine-to-five-Jobs. Poste ich zwei, vier sechs Tage nichts, dann sehe ich das, spüre das, und nicht nur an harten Fakten und Zahlen.
Je länger ich offline bin, desto schwieriger komme ich wieder rein. Regelmäßigkeit, ich halte sie nicht durch, schaffe es nicht und bin am Ende enttäuscht von mir selbst. Ich kann Freitag nicht den Computer runter fahren und Montag wieder zur Arbeit kommen. Als Blogger macht man sein ganzen Leben zur “Arbeit” – und einige schaffen das ganz natürlich. Und da kommen wir zum nächsten Punkt: Permanente Vergleichsmöglichkeiten. Wir leben in einer wesentlich präsenteren Welt als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet kann man in nur drei Minuten sehen, was fünf andere Menschen tolles gemacht haben, in der Zeit, wo wir es noch nicht mal aus dem Bett geschafft haben. Du bist am Samstag extra um acht aufgestanden um Joggen zu gehen? Klasse, wenn du wieder kommst, siehst du bei Snapchat, wie jemand anderes schon um sechs laufen war und jetzt einen natürlich super leckeren, gesunden, veganen Smoothie trinkt. Danach bei Instagram der Smoothie neben dem Macbook – total busy. Ich liebe und ich hasse diese Welt. Weil sie so schön, perfekt und einfach erscheint. Und wir unsere eigenen Welt so schön und perfekt erscheinen lassen können.

gandalf-time-quote-2

Die perfekte Welt ist im Grunde nur eine Blase aus Retusche, Inszenierung und geilen Filtern und statt zu jammern sollte ich das doch einfach mal anerkennen. Okay ist so. Und dann einen Schritt zurück machen. Anstatt neidvoll zu sehen, dass da jemand echt tolle vegane Pancakes gebacken hat, kann man es ja auch einfach so sehen: Hey, da ist jemand der mag das gleiche wie ich! Und ich esse die Sachen auch wirklich…Vor einer Weile habe ich nämlich auf irgendeinen Blog (sorry schon echt lange her) gelesen, wie jemand in einem super schicken Restaurant Brunchen war und ein hippes Girl neben ihr eine viertel Stunde lang ihr super leckeres Frühstück fotografiert hat… und dann einfach gegangen ist, ohne auch nur einen Happen zu essen. Wer bitte kann sich so etwas leisten?
Nein, so ein Leben will ich nicht. Ich mag es, mein Essen schön zu drapieren. Aber das darf dann auch nicht länger als fünf Minuten dauern, denn sonst überwiegt mein Hunger und ich sage einfach – scheiß drauf. Ich kann mich auch nicht mit Menschen vergleichen, die zum einen einfach reich geboren wurden und sich die angesagtesten Taschen und Schuhe für ihren begehbaren Kleiderschrank kaufen können oder zum anderen auch einfach selbst hart für diesen Lebensstil gearbeitet haben. Ich bin Studentin, ich mag es zu bloggen, aber diese Welt sollte nicht mein Leben dominieren. Wenn ich irgendwann einen begehbaren Kleiderschrank haben möchte, muss ich was dafür tun und nicht nur meinen Instagramfeed durchscrollen und darüber jammern, dass alle anderen zur Fashion Week fahren und ich dafür keine Zeit und kein Geld habe. So etwas kommt nicht von jetzt auf gleich.
Und wenn ich einen ganzen Tag mein Handy unberührt lasse und im Garten liege und lese, dann kann ich mir das auch erlauben, weil die virtuelle Welt meine Realität noch nicht vollständig im Griff hat. Ich will meine Privatsphäre und nicht wie Chriselle Lim, nach zwei Tagen ohne Snapchat panische Mails und Kommentare bekommen, wo denn die Bilder von ihrem Kind bleiben. Das ist doch verrückt! Ein einziger Zirkus, der vielleicht auf den ersten Blick glamourös wirkt und doch beim zweiten einfach nur ein riesiges, anstrengendes Theater ist. Die Frage ist nur, ob man mitspielen muss, wenn man erfolgreich sein will…

glasschuh-blogger-pause-1

Gefühlt wie jeden Sommer halte ich mir also schon wieder vor Augen, das Leben und die Tage zu genießen. Nicht so viel darüber nachzudenken und schon gar nicht zu grollen – daran denken, dass auch alle anderen die schmutzige Wäsche in die Ecke schieben, wenn sie ein Instagrambild machen und die Bilder retuschieren, wenn schon wieder Pickel auf der Stirn blühen. Am Ende sind wir alle Meister der Inszenierung und so lange wir wissen, dass wir alle irgendwo tricksen, wir auch mal ein paar Tage blau machen können ohne das online alles zusammen bricht und unser Leben und Essen genießen können, ist alles in Ordnung…

Dieser Post enthält eventuell Affiliate Links. Wenn du über diese in einem Online-Shop bestellst, bekomme ich eine kleine Provision von dem Shop - für dich entstehen aber keine zusätzlichen Kosten! 

Tags from the story
, ,
More from Lea Christin

Interior

Diese hübsche Schale habe ich von Fred zum Geburtstag bekommen – zusammen...
Read More

12 Comments

  • Wenn ich aus irgendwelchen Gründen eine gewisse Zeit nicht bloggen konnte, ist es immer wieder schwierig wieder reinzukommen.. es war so ruhig; man musste sich nichts überlegen; einfach die Zeit mit etwas anderem verbringen bzw. das Bloggen irgendwie wieder in den neuen Alltag integrieren und dann merkt man, dass man den vorherigen Rhytmus eigentlich gar nicht mehr halten möchte.

    Ich bin von jeher nicht so ein Vergleichsblogger – es gibt viele viele die es besser können; professioneller und viel mehr Leser haben. Ich nehme gar keine (oder nur selten) Kooperationen an, weil ich da einfach keine Lust zu habe. Wenn ein Beitrag nicht ankommt wie ich es mir erhofft hatte, geht die Welt nicht unter..

    Ich denke, wer den Spaß am Bloggen verliert, weil er es als Verpflichtung sieht, als Wettbewerb, der sollte überlegen, ob es wirklich das richtige Hobby ist..

    Nimm dir Pausen und Auszeiten vom Bloggen, wenn dir danach ist und sorge dich nicht um Verluste.. das sollte nicht dein Antrieb sein.

    • Liebe Romy,
      genau so ging es mir auch! Einfach nicht darüber nachdenken, was die online Welt gerade so treibt – ich finde es toll, dass du schon so lange schreibst und einfach mit Spaß und ohne Druck dabei bist. Daran muss ich mich immer wieder erinnern, denn das Bloggen, Posten, Inhalte überlegen macht mir ja immernoch super viel Spaß :)
      Vielen Dank für deine Worte <3
      Liebst
      Christin

    • Nene macht dir mal keine Sorgen..Ich komme im Sommer irgendwie immer in so eine Phase wo ich die virtuelle Welt einfach nur anstrengend finde und dann brauche ich etwas Pause und Abstand, um einfach das schöne Wetter, laue Grillabende und lange Tage am See genießen zu können ohne die ganze Zeit an meinen Blog denken zu müssen – Urlaub halt :D
      Danke aber für deinen virtuellen Hug, sowas ist doch sehr aufbauend <3
      Liebst
      Christin

  • Wirklich wunderbarer Blogpost! Du sprichst mir so sehr aus der Seele. Ich hoffe, dass es dir bald wieder besser geht und dass du auch wieder den Spaß am Bloggen findest. Auch wenn es schwer ist – ich habe eine ähnliche Phase durchgemacht – dein Blog ist wirklich toll, wie er ist. Mach weiter so!

    Liebste Grüße,
    Alice

    • Vielen Dank! Es ist so schön zu lesen, dass ich nicht alleine mit meinen Gedanken bin, auch das ist sehr tröstlich! Ich hoffe, dass ich nach einem etwas ruhigeren Sommer wieder genug Energie und Motivation habe um im Herbst wieder meine ganze Kraft in den Blog (und natürlich auch ins Studium^^) stecken zu können :)
      Danke für dein Lob, solange ich weiß, dass meine Arbeit anderen gefällt, habe ich auch eine Motivation weiter zu machen und alles zu geben!
      Liebst
      Christin

  • Du Liebe,

    vielen Dank für diesen mutigen Post! Ich habe eben auf renegade deinen super-netten Kommentar über die pilutta Blogvorstellung gelesen und kann es nur zurück geben: man merkt, dass hinter Glasschuh ein reflektierter und kreativer Mensch steckt!
    Und um das zu bleiben braucht man Auszeiten – ohne schlechtes Gewissen. Und neue Inspirationsquellen fernab von Instagram, Youtube & Co.!
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg dabei!
    Und wenn du magst, schreib mir gern’ eine Mail. Ich kann von vielem was du schreibst ein Lied singen, auch was das Krank-Sein angeht. Virtuelle Unterstützung ist eben auch Unterstützung. Alles Liebe für dich!
    <3
    p.

    • Hallo meine Liebe,
      vielen Dank für deine herzlichen Worte, mit denen du vollkommen Recht hast! Virtuelle Unterstützung hilft nochmal auf eine ganz andere Weise, weil meine Liebsten ja nur sehen, was ich so mache – auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen aber Menschen, die genau das machen, was ich auch mache. Die sich mit dem gleichen Mist rumschlagen, wie ich auch :D Sehr tröstlich und ich werde mit Sicherheit auf dein Angebot zurück kommen <3
      Fühl dich gedrückt!
      Liebst
      Christin

  • Liebe Christin,
    tu das, was dir gut tut! Es ist doch egal ob mal einige Tage oder Wochen kein Post kommt. Hauptsache du schöpfst neue Energie und Motivation für die nächsten Beiträge und Bilder. Bei jedem gibt es mal eine Downphase und die kann manchmal wirklich tief sein :( Aber man schafft es sich wieder auf zu rappeln und erhobenen Hauptes weiter zu gehen.
    Tu das, was dir Spaß macht. Denn was bringt ein Post den man nicht mit voller Leidenschaft geschrieben hat?
    Ich freu mich auf deine nächsten Posts.

    Herzliche Grüße
    Amani – http://www.absolutamani.de

    • Liebe Amani,
      vielen Dank für deine aufbauenden Worte! Genau das versuche ich gerade, um im September wieder mit ganz vielen neuen Ideen den Blog zu füllen :) Es ist schön zu wissen, dass es doch Leute gibt, die nicht enttäuscht sind, sondern hinter mir stehen :)
      Liebst
      Christin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.