Vom tapferen Schneiderlein…

Im letzten Post habe ich ja ein wenig von meinem Problem erzählt, was ich zurzeit mit dem Malen habe: Ich liebe es zu malen und wenn ich es denn mache, dann mache ich es gerne, aber das Aufraffen ist immer ein Problem für mich, weil ich Angst vorm Versagen habe.
Es gibt da eine andere Sache, bei der diese Angst vorm Versagen-Hemmschwelle noch viel größer ist (und das ist nicht meine Prüfungsangst, die ich auch häufig habe): Das Nähen. Seit ich zwölf bin, liebe ich es Mode zu entwerfen – auf dem Papier. Ich habe in der sechsten Klasse zwar ein Jahr fleißig die Textil-AG besucht und konnte mir so eine Art Grundwissen im Nähen anlegen, aber ich war über die ganzen Jahre hinweg der festen Überzeugung, nicht nähen zu können. Schließlich bin ich ein echter Grobmotoriker und leicht abzulenken, weswegen ich mich die Jahre über von Nähmaschinen fern gehalten habe.

Als ich dann am Freitag das erste Mal wieder an der Nähmaschine meiner Mutter saß, konnte ich mich erstaunlich schnell wieder an ihr zurecht finden. Oberfaden, Unterfaden, einfädeln, alles klappte wie am Schnürchen – trotz überlanger Gelfingernägel!
Nach ein paar einführenden Worten der Schneiderin ging es los mit verschiedenen Übungen, möglichst gerade nähen, zickzack und Kurven und Kanten möglichst sauber.

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Am Samstag ging es dann an mein Etuikleid, dass ich mir vorgenommen hatte zu nähen. So nach dem Motto: Wenn schon, denn schon! Warum sollte ich etwas einfaches nähen, wenn ich mir auch was möglichst kompliziertes und kniffliges aussuchen konnte, wenn eine Schneiderin dabei ist, die mir zeigen kann, wie all das komplizierte Zeug zu nähen ist?
Vor einiger Zeit hatte ich mir die erste Ausgabe der Fashion Hero Zeitschrift gekauft, die parallel zur Sendung erschienen ist. Da waren nämlich tolle Schnittmuster bei, unter anderen auch eines für ein schlichtes, klassisches Etuikleid. Abnäher, Reißverschluss, Unterkleid, viele Sachen dabei, die ich gerne erlernen wollte – perfekt!
Also marschierte ich mit meiner Mom vergangene Woche in die Innenstadt von Hannover und suchte mir einen schönen, nicht zu teuren Stoff, der auch für eine Anfängerin wie mich geeignet ist, kaufte noch allerhand Kleinkram, wie Schneiderkreide, Schere und Garn zusammen und fanden auch einen hübschen rosa Stoff für meine Schwester.
Perfekt vorbereitet (zumindest dachten wir das) brachen wir dann, zusammen mit unserer Patentante, zum Nähkurs auf.

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Und am Samstag befand ich mich dann in einem leeren Raum, mit großen Tischen wieder, vor mir ausgebreitet der glänzende schwarze Stoff und legte Schnittmuster aus Müllbeuteln darauf aus. Ich musste deswegen Müllbeutel nehmen, weil ich das schöne Schnittmuster nicht zerschneiden wollte.
Das Schnittmuster übertrug ich dann auf den Stoff, schnitt ihn zurecht und heftete die Stoffbahnen mühsam aneinander, genau wie ich die Abnäher zunächst nur heftete. Und obwohl ich normalerweise ziemlich ungeduldig bin und mir so nervenraubende Arbeit nicht ganz so viel Spaß macht, empfand ich pure Freude über meinen Schaffungsprozess! Zu sehen, wie etwas unter deinen Händen entsteht ist ein wahnsinnig tolles Gefühl und das hatte ich, glaube, ich das letzte Mal, als ich aus Ton einen originalgetreuen Fuß modelierte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich heftete mein Kleid also komplett zusammen und zog es mit Hilfe meiner Schwester erstmals an. Dieses Gefühl dein eigenes Kleid anzuhaben, so unperfekt und unfertig es auch noch aussah, ist einfach umwerfend! Das kann kein gekauftes Kleid der Welt. Meine Schwester hat mich prompt für irre erklärt, als ich euphorisch anfing zu tanzen.

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Vielleicht könnt ihr meine Euphorie ja nachvollziehen, vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass ich beim Nähkurs nicht nur gelernt habe, wie man Schnittmuster platzsparend und richtig auf einem Stoff auflegt oder wie man Abnäher besonders schön und sauber hinbekommt. Ich habe auch gelernt, Vertrauen in mich zu haben, dass da neben dem tollpatschigem, fahrigen Menschen, der an tausend Dinge gleichzeitig denkt und gerne mal den Kopf in den Wolken hat, auch ein Mensch steckt, der geduldig an einer Arbeit sitzen kann und dabei gar nicht so ungeschickt ist.

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Meine Schwester hat in der Zeit übrigens wunderhübsche und niedliche Lavendelsäckchen genäht und einen Kissenbezug angefangen. Zwar hatte sie davor kaum oder sehr wenig Näherfahrung, sie hat sich aber auch sehr schnell in die Materie eingearbeitet.

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Das Kleid habe ich natürlich nicht fertig geschafft. Aber wenn im Februar die Semesterferien beginnen und ich wieder eine Weile bei meinen Eltern bin, werde ich es an der Nähmaschine meiner Mutter fertig stellen, auf diesen Moment freue ich mich schon. Ab März könnte dann auch schon der nächste, etwas längere Nähkurs anstehen.

Wie steht ihr zum Nähen? Habt ihr das schon mal gemacht? Oder gehört ihr schon zu der Generation die Textil noch nicht einmal mehr in der Schule hatten? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

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10 Comments

  • Ich wünschte ich hätte auch irgendwie die Möglichkeit gehabt nähen zu lernen!
    Ich drück die Daumen, dass alles so wird wie du dir das wünscht :) bisher siehts auf jeden Fall super aus :)

  • Ich finde es wundervoll wieviele Sachen an selbst herstellen kann.
    Leider bin ich nicht so begabt im Nähen und eine Maschine habe ich auch nicht… mhhh :/

    Liebe Grüße
    Mary

  • Super, dass du dich trotz ein paar Zweifeln drangetraut hast! Und für eine allererste Anprobe sieht es doch schon sehr nach Kleid aus :D
    Das Heft habe ich auch, habe aber bisher nur das Herrenshirt als Weihnachtsgeschenk nachgenäht.

  • Ich bin da auch schlichtweg zu unselbstbewusst.. vom Prinzip habe ich mich damals in der AG nicht schlecht angestellt.. mit 10; vor 17 Jahren.. Ich habe nie nähen gelernt; wir hatten auch nie eine Nähmaschine aber ich würde doch gerne können.
    Ich habe auch oft Ideen im Kopf was ich gern selbst erstellen würde, aber leider leider.. vielleicht ändert sich das dieses Jahr ja noch.. vielleicht auch nicht :D

  • Ich kann nicht nähen, aber ich würde es gerne können. :D
    Hab mich auch schon nach Nähkursen umgesehen. Leider sind die meisten echt teuer. Aber ich schätze, ich werde mich dieses Jahr trotzdem mal ranwagen. :)

    Ich kann deine Euphorie auf jeden Fall nachvollziehen und freue mich auf das Endergebnis!

    Liebe Grüße, Alex

  • Wow, ich finde das super! Für mich ist das eine Hohekunst, die ich niemals erlernen werde, also Hut ab. Auf die Semesterferien freue ich mich auch schon. Nehme mir dann auch immer was tolles vor, das ist mein Lichtblick.

    Liebst Irina

  • Hahahahah, aber der hübscheste Neandertaler seit Menschengedenken. :-D
    Ja, es ist wirklich so – Licht und zwar das Richtige ist essenziell. Klar, je teurer und hochwertiger die Kamera, desto mehr kann man auch in lichtarmen Situationen rausholen. Aber dann habt ihr beiden ja die perfekte Arbeitsteilung – die Bearbeitung liegt ja auch nicht jedem!

    Und danke, du bist aber auch ziemlich knorke. Haha. :-D Vor allem deine Nähkünste – ich möchte das auch sooo gerne können!!

  • Ich liebe es zu Nähen. Ich habe es mir mit 12 Jahren mehr oder weniger selbst beigebracht.
    Vielleicht habe ich es auch überlesen, was studierst du, Modedesign? Daran hatte ich eine Zeit lang auch Interesse.
    Alles Liebe

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