Herbstmelancholie


Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke

 

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 Wenn es ein Gedicht über den Herbst gibt, was ich schätze, dann dieses von Rilke. Es mag auf einige depressiv und arg melancholisch wirken, was es im Grunde ja auch ist, aber dahinter steckt noch viel, viel mehr. Der Kreislauf des Lebens. Das Fallen im Herbst, das wieder Aufstehen und erblühen im Frühling. Ich finde es ist ein trostspendendes Gedicht, es zeigt uns die Vergänglichkeit des Lebens auf; ein schwieriges Thema natürlich. Aber hinter dem Fallen steht ein wieder aufstehen.
Was im Herbst zu Boden fällt, ist nicht einfach nutzlos. Die bunten Blätter die uns erfreuen, rieseln sanft zur Erde, legen sich schützend um den Baum, bieten einen warmen Platz für Igel und Mäuse im Winter und wenn es so weit ist, wird das Laub wieder zu Erde, wird Nährstoff für die Tiere im Boden und auch wieder für den Baum im Frühling, wenn er neue Blätter bildet und aus dem Winterschlaf erwacht, das Fallen hat ein Ende; der Baum erblüht wieder.
So ist es auch bei uns. Das Leben ist ein ständiges Fallen und wieder aufstehen, fallen wieder aufstehen weiter gehen, daran wachsen, wieder fallen, aufstehen und stärker werden. Wer nicht fällt, kann auch nicht aufstehen, so ist das.

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 Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Die Erde fällt. Sie fällt im Raum, mit Milliarden anderer Sterne. Was womöglich erdrückend wirken kann, ist auf der anderen Seite unendlich befreiend. Wie wirken unsere Sorgen im Universum? Unendlich klein.

Wirkt der Herbst auf uns so schwer und endlos, ist der Winter gefühlt auch noch so lang; irgendwann wird es abends wieder heller, scheint die Sonne wieder länger und die ersten Blumen stecken ihre Köpfe aus der Erde und begrüßen den Frühling.

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Warum tut das Fallen weh? Damit wir das Aufstehen schätzen, zurück blicken und sagen: Das mach ich nicht nochmal und doch beim nächsten Fallen, sagt die Stimme im Kopf, du bist schon mal gefallen.
Und ich antworte, ja und auch wieder aufgestanden.

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Also begrüße ich den Herbst, erfreue mich an der bunten Farbenpracht, blicke sehnsüchtig zurück auf den Sommer und warte auf den Winter; genieße die guten Seiten dieser Zeit und freue mich darauf, die Sonne im Frühling wieder zu spüren.

Im Sommer habe ich noch geglaubt, mein Studium durchziehen zu können; hatte einen Plan wie es aussieht. Dann kam das Fallen, in dieses Loch, aus dem ich wieder hervorkommen musste. Ich schaffte es, mich neu auszurichten und einen neuen Plan vom Leben zu erstellen.

Wenn man sich sein Leben in einer bestimmten Richtung vorgestellt hat, fällt es schwer, es neu auszurichten. Man will es noch gar nicht so richtig wahr haben, leugnet es, dass es keinen Sinn hat, wie bisher weiter zu machen. Ich habe lange überlegt, wie ich es sagen kann. Etwas aufzuschreiben ist immer noch etwas anderes, als darüber nur zu sprechen. Bis zum Sommer habe ich vier Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Dabei merkte ich immer stärker, dass das nicht der Weg ist, auf den ich weitergehen sollte. Schweren Herzens habe ich mich  neu orientieren müssen. Nach langer intensiver Diskussion mit meiner Familie und engen Freunden habe ich mich dazu entschlossen, meinem Leben eine ganz andere Richtung zu geben und ein Studium anzufangen, was meinen innersten Neigungen mehr entspricht und –  wie ich hoffe, mich selbst wiederzufinden. Daher werde ich Philosophie und Politikwissenschaften studieren. Ich freue mich jetzt sehr über diese neue Chance.

Ich hoffe das dieser Text, nicht zu abgedreht für euch ist, ihr vielleicht sogar etwas damit anfangen könnt und ich Mut geben konnte, aus einem Fallen ein Wiederaufstehen zu machen.

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Für alle anderen gilt: Nicht traurig sein, bald kommt schon das nächste!

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