Ein Gewissenskonflikt

Von Kleiderkreisel habe ich ja jetzt schon oft genug geschwärmt, sodass ich jetzt einfach nochmal kurz erwähne: Der folgende Cardigan ist ebenfalls von Angela, ich habe ihn jetzt gefühlt schon ewig und bin leider erst jetzt dazu gekommen, mal mit ihm Fotos zu machen.

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Je mehr ich übrigens über Kleiderpreise, Arbeitsverhältnisse und Fairtrade nachdenke und recherchiere, desto übler wird mir. Dank eurer regen Kommentare zu dem Thema, habe ich mir noch viele Filme angeschaut und Artikel gelesen und desto mehr bekomme ich das Bedürfnis, mehr und mehr über relevante Probleme zu schreiben, als einfach nur  Outfitposts zu machen.

Da kommt mir allerdings der Gedanke: Ecke ich damit vielleicht zu sehr an? 

Ich möchte ja nicht komplett auf inspirierende Outfits verzichten; ich möchte einfach mehr Tiefe in meine Posts bringen. Zum Beispiel über Fairtrade schreiben oder über die Vermüllung der Meere. Alles Themen, die mich interessieren und die alle angehen. Bewirken werde ich dadurch vielleicht wenig, aber vielleicht schaffe ich es ja, einige von euch auch zum Nachdenken anzuregen, an dem eigenen Konsumverhalten etwas zu ändern.
Ich selbst muss mir jetzt immer zwei Fragen stellen, wenn ich zum Beispiel wieder einmal bei H&M bin. Diese zwei Fragen widersprechen sich grotesker Weise und meistens muss ich über soviel Ironie bitter lachen. Denn zum Einen denke ich jedes Mal, “boah, willst du jetzt wirklich 20€ für so ein einfaches Oberteil ausgeben?” und zum anderen “Wie schaffen die es, für so wenig Geld, Tops anzubieten und damit auch noch Gewinn zu machen?”

Ich wette, euch geht es da ähnlich. Diesen Gewissenskonflikt zwischen dem guten Gewissen auf der einen und dem kleinen Studentenbudget auf der anderen Seite kennen gewiss viele von euch.
Meistens überwiegt bei mir dann folgender Gedanke: Ich habe keine Gewissheit darüber, ob Marken, die mehr Geld für ihre Produkte nehmen, nicht in der selben Fabrik in China produzieren, wie billigere Marken. Das wissen wir Verbraucher nämlich nicht und ich habe schon viele Berichte über Fabriken gesehen wo “Billigklamotten” neben “Markenware” produziert werden. Im Grunde sind die Herstellungsvoraussetzungen also vergleichbar, nur die Gewinnspanne ist bei teureren Produkten höher.

Was machen wir also? Wir ignorieren den Gedanken in unserem Kopf und kaufen uns das billige Oberteil, weil wir sowieso nichts dagegen machen können.

Ob wir danach glücklich sind? – Vielleicht für den Moment, in dem wir uns über das schöne neue Ding freuen. Beim nächsten Bericht über die Ausbeutung von Arbeitern in Schwellenländern sind wir es dann vielleicht nicht mehr.

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Ich freue mich jetzt trotzdem über meinen schönen Aztekencardigan. Dadurch, dass er ja sozusagen Second Hand ist, ist der Kauf des Cardigan auch wieder ökologisch und sozial verträglicher.

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Cardigan – Kleiderkreisel (ursprünglich Chicwish)
Bluse – Vero Moda
Lederrock – H&M
Strumpfhose – Primark
Boots – Zalando

Ihr seht, ich habe für diesen Gewissenskonflikt noch keinen Ausweg gefunden, denn keine Kleidung mehr zu kaufen, kann ja auch nicht die Lösung sein. Darüber nachzudenken, macht auf Dauer auch eher depressiv, als wirklich glücklich. Doch die Tatsache dieser Ausbeutung kann ich nicht ignorieren und so finde ich bisher keine Lösung.


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2 Comments

  • danke für diesen post mal wieder!! das sind genau die gedanken, die mir in den letzten monaten durch den kopf gehen – ich bin so unzufrieden, mit den teilen, die noch im schrank hängen. will aber auch nichts neues kaufen. selbst bei kleiderkreisel denke ich inzwischen: rege ich die ganzen konsumgeilen weiber nicht dadurch noch mehr an, gedankenloser zu kaufen? die wissen dann schließlich: wenn ichs nicht trage, kann ichs ja eh wieder verscherbeln.
    ach. das ist so schwierig. ich informier mich gerad ziemlich viel über verschiedene marken, außerdem bin ich so zumindest mal motiviert, mir selbst was zu nähen – wobei man dann beim stoff natülich auch nicht sicher sein kann, wo er her kommt und wie die arbeitsbedingungen da aussahen..
    ich könnte kotzen.

  • Hallo,
    zuerst einmal solltest du dir nicht zu viele Gedanken machen, was andere über dich denken. Aber ich weiß es ist schwer, so wirklich abstellen kann ich das auch nicht.
    Und dann finde ich deine Blog gerade deshalb gut, weil du auch mal ernste Themen ansprichst. Ich meine schöne Outfits posten ist toll, Produktbewertung sind interessant und die Kreativität für die DIY Beiträge bewunder ich sowieso, aber das ist ja noch lange nicht alles im Leben. Für mich sind diese ernsten Beiträge genau das, was deinen Blog von den anderen, die ich bis jetzt gesehen habe abhebt.
    Es gibt nun mal auch überall Schattenseiten, so auch in der Modewelt. Und ich kenne diesen Gewissenskonflikt auch nur zu gut. Ja, man würde gerne etwas tun, um die Ausbeutung in anderen Ländern zu verhindern .Ich wäre auch bereit etwas mehr für Kleidung auszugeben, wenn ich wirklich wüsste, dass sie unter guten Arbeitsbedingungen für die Angestellten produziert wurde. Doch meistens ist es doch so, dass eben auch die Markenkleidung in Billiglohnländern produziert wird. Also was tun? Gar nichts mehr kaufen? Das will man ja eben auch nicht. Also macht man erst mal weiter, wie bisher. Aber das ändert ja nichts an dem Problem…

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